Großes Interesse an Veranstaltung "...spinnt die Marie?"
Zur Veranstaltung des BAWO Frauenarbeitskreises "...spinnt die Marie?" im Dachgeschoss des ASB Wien in Penzing kamen mehr als hundert BesucherInnen aus ganz Österreich und nahmen rege an der Diskussionsveranstaltung teil. Das große Interesse zeugt von der Wichtigkeit und Aktualität des Themas. Inhaltlich spannte sich der Bogen von der Praxis bis zu Theorie und Forschung, es gab zwischendurch immer wieder ausreichend Raum und Möglichkeit zur Publikumsdiskussion.
Neben den spannenden Vorträgen von Elvira Loibl, Leiterin des FrauenWohnZentrums, die über die Herausforderungen der Alltagspraxis mit psychisch kranken Frauen sprach und Kurt Gutlederer (FSW), der einen Überblick über die aktuellen Angebote der Wiener Wohnungslosenhilfe gab, sprach Karin Gutierrez-Lobos, Vizerektorin der Psychiatrie im AKH und Genderfachfrau, über psychische Erkrankung bei Frauen, Bewältigungsstrategien, Stressfaktoren und Forschung zur (Un-)Gleichbehandlung in der Diagnose zwischen Männern und Frauen.
Eleonore Miller-Reiter, Ärztin beim PSD Liasondienst in der Wiener Wohnungslosenhilfe, erzählte von einem Fallbeispiel aus der Praxis, das zum Nachdenken anregte über größere Offenheit gegenüber neuen Herangehensweisen in der Zusammenarbeit mit psychisch kranken Frauen.
Themen rund um Normalität und psychische Erkrankung, die Diagnostik und Spezifik dieser speziell bei Frauen, wurden dabei angeschnitten sowie Impulse für eine verbesserte Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen der Wohnungslosenhilfe und Psychiatrie gesetzt. Housing First kam dabei als geeigneter Ansatz speziell bei wohnungslosen Menschen mit psychischer Problematik mehrmals zur Sprache. Dass der Wohnungslosigkeit speziell bei psychisch kranken Menschen, insbesondere Frauen, die häufig in prekären Wohnsituationen in Abhängigkeitsverhältnissen leben, eigentlich viel früher vorgebeugt werden könnte, wenn diese rechtzeitig wohnversorgt würden um so einer langen Laufbahn psychischer Erkrankung zu entgehen wurde dabei gleichwohl von sozialarbeiterischer als auch von medizinischer Seite hervorgehoben. Die Offenheit für neue Wege in der Prävention wurde dabei auch von Seiten des FSW begrüßt. Zaghaft (aufgrund der Kostenfrage) gab man sich bei der angesprochenen Erweiterung der Zielgruppe in der WLH auf Menschen in prekären Wohnverhältnissen (speziell Frauen sind davon betroffen) sowie bei der Prioritätensetzung. Alles in allem eine sehr gelungene, spannende, vielfältige und thematisch breite Veranstaltung. Zu diesem Anlass wurde auch die Broschüre mit den Einrichtungen für wohnungslose Frauen in Wien aktualisiert. Eine Dokumentation zur Veranstaltung mit den Unterlagen zu den Vorträgen findet sich demnächst hier auf der BAWO Webseite.

