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Abschluss Generalsanierung Kaplan Bonetti-Haus (Dornbirn)

Wenn dieser Tage fast 60 wohnungslose Menschen in das generalsanierte Kaplan Bonetti-Haus in Dornbirn einziehen, markiert dies einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Kaplan Bonetti Sozialwerke. Das 1957 als „Haus der jungen Arbeiter“ eröffnete Wohnheim mit seinen im Laufe der Jahrzehnte wechselnden Zielgruppen kann nicht nur als Spiegelbild der gesellschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Entwicklung Vorarlbergs gesehen werden, sondern zeigt auch die Entwicklung des Verständnisses von Wohnungslosenhilfe im Land auf.
In den ersten Jahren waren es vor allem junge Arbeiter aus den ostösterreichischen Bundesländern, welche – angezogen vom Boom der heimischen Textilindustrie – im gelobten Ländle Fuß zu fassen suchten und im „Hotel zur Schiene“, wie es auf Grund der unmittelbaren Bahnhofsnähe scherzhaft genannt wurde, eine erste Bleibe fanden. In den 70er-Jahren wurden diese dann von „Gastarbeitern“ aus dem ehemaligen Jugoslawien abgelöst, und ein weiteres Jahrzehnt später veränderte sich die Zielgruppe abermals: Mit dem Ende der „Vollbeschäftigung“ brauchten „jene unsere Hilfe, die der Arbeitsmarkt ‚freigesetzt‘ hat, die mit den Anforderungen nicht Schritt halten können oder die aus den unterschiedlichsten Gründen an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt werden“, meinte damals Sozialpionier Emil Bonetti als Leiter dieser Einrichtung. Im Zuge dieser Entwicklung wurde das Wohnangebot neben dem Heim in der Gilmstraße 7 sukzessive um verschiedene Wohngemeinschaften mit unterschiedlichen Schwerpunkten ausgeweitet. Parallel dazu wurde ab 1991 das „Arbeitsprojekt Haus der jungen Arbeiter“ aufgebaut.
Mit dem Tod von Kaplan Bonetti im Juli 2007 wurde im „Haus der jungen Arbeiter“ ein umfassender Organisationsentwicklungsprozess eingeleitet. Neben einer deutlichen Aufwertung und Intensivierung des sozialarbeiterischen Angebots der Einrichtung war sehr rasch klar, dass die bauliche Infrastruktur einer grundlegenden Erneuerung bedurfte. Dies war der Beginn eines langen und intensiven, durchaus auch kontroversiell geführten Entscheidungsprozesses, welcher Ende 2009 in einen Architektenwettbewerb für ein neues Kaplan Bonetti-Haus mündete. Wichtigste Eckpunkte für die Umsetzung waren:
•    Die Bettenkapazität wurde von vormals ca.100 auf 62 reduziert, parallel dazu das Angebot für ambulante Wohnungslosenhilfe im Bezirk Dornbirn neu aufgebaut.
•    Die zentrale Lage direkt am Bahnhof wurde auch in Auseinandersetzung mit der Stadt Dornbirn als großer Wert erkannt: Wohnungslose Menschen sollen nicht an die Peripherie gedrängt werden, dementsprechend offen und freundlich sollte auch der bahnhofseitige Vorplatz und die Eingangssituation gestaltet werden.
•    Die alte Bausubstanz sollte gewürdigt werden und als solche erkennbar bleiben – freilich bei zeitgemäßem haustechnischem und energetischem Standard.
•    Als Wohnstandard wurden Einzelzimmer mit eigener Nasszelle festgelegt.
•    Mehrere Gemeinschaftsräume mit verschiedenen Schwerpunkten sowie attraktive Außenanlagen sollen für eine Entflechtung und Differenzierung der Freizeitinteressen der Bewohnerschaft sorgen.
Dass all dies nicht nur in einem sehr funktionalen, sondern auch ästhetisch durchaus ansprechenden und kostenmäßig nicht ausufernden Bau tatsächlich umgesetzt werden konnte, ist wesentlich den beiden Architekturbüros Hörburger und Kuess aus Bregenz sowie der mit der Projektleitung beauftragen Vorarlberger gemeinnützigen Wohn- und Siedlungs-Gesellschaft (VOGEWOSI) zu verdanken. Die Fertigstellung wird am 14. November im Rahmen der offiziellen Eröffnung gefeiert, im Frühjahr ist dann ein Tag der offenen Tür geplant. Nachdem die nächstjährige BAWO-Fachtagung in Vorarlberg angesetzt worden ist, ist auch in deren Rahmenprogramm sicher eine Besichtigung des neuen Wohnheimes möglich.

Peter Mayerhofer
(Geschäftsführer Kaplan Bonetti)