Details

Alkoholikerentwöhnung am Otto Wagner Spital: Vorzeigemodell für Kooperation zwischen Wohnungslosenhilfe und Gesundheitswesen vor dem Aus?

Die Station für alkoholkranke Männer am Otto Wagner Spital – Baumgartner Höhe/Pav 26  (OWS) wurde von Beginn an konzeptuell so geplant, dass speziell arbeitslosen und wohnungslosen alkoholkranken Männern eine Weg aus der Sucht ermöglicht wird. Das Therapiekonzept wurde über die Jahre besonders für diese Männer, die zu ihrer Sucht noch mehrfache soziale, psychische, finanzielle, … Probleme mitbringen, ständig weiter entwickelt.
Somit entstand auch sukzessive eine gute Kooperation zwischen der Entwöhnungsstation und der wiener Wohnungslosenhilfe, die teilweise sogar vertraglich vereinbart wurde.
Durch das gute Zusammenspiel von Medizin, Sozialarbeit und Therapie von Beginn des stationären Aufenthalts an (- und teilweise auch schon vor der Aufnahme - ) können bereits während der Entwöhnung gemeinsam mit den Patienten realistische Perspektiven für die Zeit danach erarbeitet werden. Nahtlose Übergänge vom Krankenhaus in ein stabil(er)es Umfeld sind somit möglich.
Nach der Entlassung bieten die MitarbeiterInnen, zu denen die Patienten schon während der Therapie ein Vertrauensverhältnis aufgebaut haben, langfristige Nachbetreuung an. Regelmäßiger Austausch zwischen den MitarbeiterInnen der Entwöhnungsstation und den BetreuerInnen der Wohnungslosenhilfe- Einrichtungen bieten den Klienten ein gutes Netz, das Krisen rechtzeitig erkennt und diesen entgegenwirken kann.

Die gemeinde Wien trägt sich nun mit dem Gedanken, in den Krankenhäusern nur mehr die Akutbehandlungen von Alkoholkranken durchzuführen. Die Langzeitbetreuung (Entwöhnungstherapie, Nachbetreuung,…) soll anderen Einrichtungen überlassen werden. Einsparungen durch Bündelung und Synergieeffekte werden erhofft.
Da weder die erfahrenen MitarbeiterInnen der Station am OWS noch VertreterInnen der Wohnungslosenhilfe in die Planung mit eingebunden waren bleibt zu fürchten, dass dem besonderen Auftrag des Pav. 26 – und somit den Bedürfnissen der wohnungslosen Alkoholkranken - bei der Umstrukturierung nicht Rechnung getragen wird.

In den vergangenen Jahren wurde in Wien erkannt, dass das bestehende Gesundheitssystem für viele Wohnungslose zu hohe Hürden aufweist. Aus dieser Problematik heraus wurden zunehmend Kooperationen zwischen Gesundheitswesen und Wohnungslosenhilfe eingegangen – und auch finanziert: NeunerHausArzt, PSD-Liaisondienst, fem- und men-Beratungen in Wohnheimen, Konnex, etc.      

Eine der bewährtesten Kooperationen zwischen Wohnungslosenhilfe und Gesundheitswesen wird nun in diesem Umstrukturierungsprozess scheinbar übersehen.

Wir hoffen dass die Verantwortlichen von Stadt und KAV noch rechtzeitig die Betroffenen an einen Tisch holen. Die  - auch finanziellen – Folgen sowohl für die Betroffenen selbst als auch für die Wohnungslosenhilfe und für das Gesundheitswesen sind derzeit noch nicht absehbar. Sowohl das große Spezialwissen der MitarbeiterInnen am PAV 26 OWS als auch die bewährte Betreuung der Patienten vor, während und nach der Therapie und nicht zuletzt die gute Kooperation mit der Wiener Wohnungslosenhilfe dürfen bei strukturellen Änderungen nicht verloren gehen.