Details

Anstieg prekärer Wohnplätze in Salzburg. Professionelle Frauenangebote nicht absehbar.

Seit 20 Jahren ist Salzburg mit der jährlichen Präsentation der Wohnungslosenerhebung österreichweit Vorreiter für die Sichtbarmachung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit. Wenngleich diese aufgrund des temporären Erhebungszeitraumes (jeweils Oktober) lediglich tendenziell und interpretativ respektive analytisch zu betrachten ist, bietet sie dennoch im Hinblick auf das Ausmaß einer quantitativen Fassbarkeit eine fundierte Grundlage für mögliche Lösungsstrategien. Die Zahlen zeigen uns jährlich Steigerungen im Hinblick auf fehlenden leistbaren Wohnraum, aber auch Angebots- und Versorgungslücken diverser Bedarfslagen werden sichtbar. Die damit verbundenen, ebenso jährlichen, Diskurse und die daraus resultierenden Forderungen an politische Entscheidungsträger scheinen allerdings ins Leere zu gehen. Wenngleich sich gelegentlich Interesse und Bemühungen zeigen, aus dem jahrelangen politischen Dissens und dem maroden Haushaltsbudget generieren Scheitern und Nichthandeln. Der perspektivische Blick auf allfällige zusätzliche finanzielle Bedarfe im Falle eines weiteren Nichthandelns respektive auf Wirkungslogiken und Umweg-rentabilitäten bleibt außen vor, währenddessen gleichzeitig die Zahlen jener, die von der für alle Lebensbereiche wichtigsten Ressource ausgeschlossen bleiben, stetig steigen.

Beispielhaft für das beständige Abwehren der politischen Verantwortung stehen die seit vielen Jahren analog einem Mantra wiederholten Forderungen an die Politik, Salzburg möge doch nun endlich für wohnungslose Frauen in Salzburg eine bedarfsgerechte Angebotsstruktur schaffen. Mögen Diskurse über die Ausgestaltung von Angeboten aufgrund der für den Wohnungsnotfall differenzierten Problemlagen noch logisch erscheinen, unbegreiflich sind jene über die Notwendigkeit der Schaffung einer Angebotsstruktur. Und nicht anders als skandalös kann das Wegschauen bei wohnungslosen Frauen mit zum Teil schulpflichtigen Kindern bezeichnet werden. Der Druck, dem diese Frauen ausgesetzt sind, ist enorm und evident. Währenddessen Forderungen zwar gehört, jedoch tatenlos verhallen, bleibt Unverständnis und Unfassbarkeit ob dieser enormen Benachteiligung in den Geschlechterverhältnissen übrig.

Das politische Negieren dieser Versorgungslücken bietet so einen Nährboden für private - und rein nach ökonomischen Grundsätzen agierende - Initiativen, die sich um die wohnungslosen Frauen kümmern wollen. Die Betonung liegt auf „wollen“, denn das vor einigen Monaten in Salzburg eröffnete und der Öffentlichkeit zuerst als Notschlafstelle präsentierte Projekt, hinter dem sich in Wahrheit ein weiteres privates Pensionszimmerhaus verbirgt, ist völlig ungeeignet, das Können zu bewerkstelligen. Strukturen, Preise und Qualitätsstandards bewegen sich fernab von professioneller Sozialer Arbeit. Allein schon die fehlenden Kenntnisse über die komplexen korrelierenden Problemlagen haben diese „Frauennotschlafstelle“ sehr schnell mit Männern auffüllen und etliche Frauen bald nach Einzug wieder auf die Straße setzen lassen.

Doch wir werden nicht aufhören, auch weiterhin Forderungen an die Politik im Hinblick auf Qualitätsstandards für eine kurz- und langfristige Wohnversorgung für Frauen zu stellen sowie die Interessen jener zu vertreten, die es selbst aufgrund ihrer absolut misslichen Lebenslage, verbunden mit enormen psychischen Belastungen, nicht schaffen. Vielleicht müssen wir hinkünftig einfach nur etwas lauter werden.

Petra Gschwendtner