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"Echte WienerInnen": Wer ist WienerIn genug um Unterkunft in der Wiener WLH zu finden?

In den vergangenen Monaten kommt es in der Wiener Wohnungslosenhilfe (WLH) immer wieder zu Verweigerung der Unterbringung von Menschen ohne nachweisliche Vormeldung in Wien. Unter dem Motto "Wer in Wien nicht gewohnt hat, kann in Wien auch nicht wohnungslos werden" werden Menschen, die sich in Wien aufhalten und die Hilfe der WLH in Anspruch nehmen (wollen) an die Hilfesysteme in den anderen Bundesländern verwiesen.
Vor Einführung der BMS galten die klaren Anspruchsvoraussetzungen für den Erhalt von Sozialhilfe auch für die Unterbringung in der WLH. Zudem war bei Übersiedlung von einem Bundesland zum anderen die Möglichkeit eines Regresses gegeben.
Durch die automatische Auszahlung des Wohnkostenanteils mit der BMS ist der Anspruch auf Hilfe zum Wohnen gedeckt. Die Unterbringung in der WLH ist eine Kann-Leistung und somit nicht einforder- und einklagbar.
 
Der in der Praxis erkennbare politische Wille, obdach- und wohnungslose Menschen nicht in Wien zu "kumulieren" mag aus einzelnen Blickpunkten heraus verständlich sein.
Für die Betroffenen selbst wird die Verweigerung der Unterkunft zum persönlichen Drama. Die Verfestigung bzw. Verstärkung der Krisensituation ist vorprogrammiert, bei Kälte wird die Unterkunftsverweigerung zudem lebensgefährlich.
 
Die Vormeldung in Wien wird zu einem Kriterium, das andere Aspekte der Lebenssituation außer Acht läßt.  Diese Bedingung treibt in manchen Fällen seltsame Blüten, z.B.:
Menschen, die Jahrzehnte lang in Wien gelebt haben und vorübergehend (z.B. in einer Krise) in ein Bundesland übersiedeln aber dort nie richtig Fuß fassen, werden nach Scheitern ihrer Versuche wieder in Wien sesshaft zu werden, an das Bundesland verwiesen, in dem sie zuletzt - wenn auch nur kurz - gemeldet waren.
Menschen, die immer in Wien gelebt haben und dann ins Ausland verzogen sind werden telefonisch an ihr "Herkunftsbundesland" verwiesen.
Ein psychisch kranker Oberösterreicher wird nach beinahe zwei Monaten Betreuung in der Gruft und bereits vorhandenen Kontakten zum Psychosozialen Dienst Wien (PSD) nicht für die Unterbringung in Wien bewilligt - er möge nach Oberösterreich zurück gehen

Die MitarbeiterInnen der WLH wünschen sich auf Basis der unsicheren Rechtslage Entscheidungen, die die Gesamtsituation der Betroffenen betrachtet und die realen Möglichkeiten der Unterbringung und Betreuung in den Bundesländern mit einbezieht.

BAWO - Forum - Wien