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Ein Jahr flächendeckende Delogierungsprävention

Seit 2003 gibt es in Niederösterreich die „ARGE Wohnungssicherung“ (Caritas Wien, BEWOK Krems, VBO Wiener Neustadt und Verein Wohnen St. Pölten), die ein flächendeckendes Konzept für Niederösterreich ausgearbeitet hat.
Nach dem Beginn der Wohnungssicherung in zwei Regionen im Jahr 2005 und dem weiteren Ausbau im Jahr 2006 - können wir nun auf ein Jahr Wohnungssicherung zurückblicken, in dem  alle fünf Träger ihre Beratungsarbeit flächendeckend in ihrem jeweiligen Gebiet mit der vollen Personalkapazität angeboten haben.
Unser Angebot wurde sehr positiv angenommen.
Die Kooperation mit anderen sozialen Institutionen ist sehr gut, hervorheben möchten wir die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Bezirkshauptmannschaften, die wichtige Säulen in unserer Arbeit sind.
 
Wir sind auch weiterhin mit einer steigenden Nachfrage konfrontiert.
2007 wurde mit 1.910 Haushalten, die vom Wohnungsverlust bedroht waren,  Kontakt aufgenommen.
(2006 konnten wir mit 1218 Haushalten Kontakt aufnehmen)
Das entspricht einer Steigerung von 63,76 %.
2007 haben wir 1958 Fälle beraten bzw. betreut (2006 waren dies 1231 Fälle).Das bedeutet eine Steigerung um 62,87%.

2007 konnte in 569 Fällen  die Wohnung gesichert werden (2006 waren es 321 Fälle) Das bedeutet eine sehr erfreuliche Zunahme von 56,41%, wo wir Menschen vor dem Verlust ihrer Wohnung bewahren konnten.
 
Von der NÖ. Landesregierung, Abt. GS 5 wurden 229 Anträge auf einmalige Aushilfe  in einer Gesamthöhe von € 270.539,67 positiv beschieden.
(2006 wurden 128 Anträge mit einem Gesamtbetrag von € 165.007,91 genehmigt) Dies entspricht einer Steigerung von 61%.
 
Von der Abt. F3 – Familienförderung wurden 39 Ansuchen mit Beihilfen über € 42.212,91 positiv erledigt, (2006 waren es 29 Ansuchen mit € 27.853,06) das bedeutet eine Zunahme von 66%.
Die Abt. F2 – Arbeitnehmerförderung hat in 30 Fällen eine Beihilfe gewährt, dies macht in Summe € 43.170,99 (2006 waren es 28 Fälle mit einem Gesamtbetrag von € 31.511,74). Das ist eine Zunahme um 27%.
 
Auch die finanziellen Unterstützungen von freien Wohlfahrtsträgern sind erfreulicherweise stark angestiegen.
2007 wurden in 97 Fällen Unterstützung gewährt und in Summe ein Betrag von € 53.076,95 ausbezahlt (2006 waren es 53 Fälle mit einem Betrag von € 23.412,76) Das ist eine Zunahme von rund 56%.
 
Es ist uns wichtig hervorzuheben, dass in fast einem Drittel der Fälle (30,58%) ohne Einsatz öffentlicher finanzieller Mittel - nur durch unsere professionelle Beratungsleistung - die betreffenden Wohnungen gesichert werden konnten.
 
Mit November 2007 stand eine gemeinsam entwickelte Datenbank - vorerst für einen Probelauf – den MitarbeiterInnen zur Verfügung. Mit Anfang 2008 geht das Dokumentationsprogramm in den Regelbetrieb über.

Trotz der guten Ergebnisse und Erfolge, die wir erzielen konnten, möchten wir die sozioökonomischen Rahmenbedingungen erwähnen, mit denen wir in der täglichen Beratungsarbeit konfrontiert sind.
Wir nehmen vermehrt war, dass in nicht wenigen Fällen die „nackte Armut“ Ursache für den drohenden Wohnungsverlust ist.
Dies betrifft insbesondere Alleinerzieherinnen, Mehrkindfamilien und PensionistInnen.
Eine unserer internen regionalen Auswertung hat ergeben, dass die Wohnkosten bereits bei durchschnittlich 37% des Haushaltseinkommens liegen.
Auch wenn in NÖ der Wohnungsaufwand pro m² im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr günstig ist, ist für eine wachsende Zahl von Menschen das Grundbedürfnis Wohnen kaum mehr leistbar.
Neubauwohnungen, für die ein Wohnzuschuss beantragt werden kann und damit eine wesentliche Reduzierung des Wohnungsaufwandes zu erreichen ist, erfordern je nach Genossenschaft z.T. erhebliche Grund- und Baukostenbeiträge. 
Wer jedoch über keine angesparten Eigenmittel verfügt, kann nur schwer eine günstige Wohnung finden, es bleibt dann nur mehr der teurere private Wohnungsmarkt. In der Regel unterstützt die ältere Generation die jüngere bei der ersten Hausstandsgründung. Wenn das nicht möglich ist, vererbt sich Armut weiter. 
 
Die Einführung einer allgemeinen Wohnbeihilfe in NÖ könnte aufgrund unserer Erfahrungen für viele Betroffene die Leistbarkeit ihrer Wohnung dauerhaft ermöglichen.
 
Ganz wichtig sind auch Initiativen wie die „NÖ Wohnassistenz“, die parallel zur leistbaren Wohnung auch die notwendige befristete Beratung und Betreuung anbietet, um eine nachhaltige Integration zu fördern.

Ausblick
 
Aufgrund der gestiegenen Fallzahlen bei allen fünf Trägern und der vorgegebenen
Wochenstundenanzahl stehen wir vor der grundsätzlichen Problematik, dass wir nicht ausreichend Zeit haben, nach der abgewendeten Delogierung, die in vielen Fällen notwendige längerfristige Betreuung
(z.B. Erarbeiten eines Finanzplanes, finanzielle Konsolidierung, Einhalten von Ratenvereinbarungen, Suche nach einer dauerhaft leistbaren Wohnung, etc.) anzubieten.
Es besteht daher die dringende Notwendigkeit nach längerfristiger Betreuung, da sonst die notwendige Nachhaltigkeit - dauerhafter Erhalt der Wohnung - nicht erreicht werden kann.
 

(Hermann Schuster)