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Neues Jahrbuch des Dowas Innsbruck ab 18. April erhältlich

Nach einem Jahr Pause liegt nun wieder ein Bericht über die Arbeit im DOWAS Innsbruck vor. Inhaltlicher Schwerpunkt ist jener Bereich der gesellschaftlichen Reproduktion, der als sozialstaatlicher Auftrag über Jahre hinweg sträflich vernachlässigt wurde: das Wohnen. Es liegt offenbar nicht im herrschenden politischen Interesse, die Wohnversorgung jenseits der „breiten Schicht der Bevölkerung“ von der Marktlogik zu trennen.  
Innsbruck ist ein teures Pflaster, das vergleichbare Städte in den Schatten stellt. Der Wettbewerb führt zu absurden Preisentwicklungen. Sind die Mieten zu teuer oder verdienen die Haushalte zu wenig? So oder so, die alte Regel „the poor pay more“ wird hier auf zynische Art und Weise Realität. Lieber hätten wir über zivilisatorische Errungenschaften der menschlichen Behausung berichtet, die mehr ist als ein Schutz vor der Witterung, mehr als ein Ort der Wiederherstellung der Arbeitskraft, mehr als Ausdruck und Garant von Milieu- und Klassenzugehörigkeit, des guten Geschmacks. Aber solange „man einen Menschen wie ein Pferd arbeiten und wie ein Schwein essen und wohnen lässt“ (Jack London) ist deren Existenz jenseits der Warenförmigkeit schwer denkbar.
Was übrig bleibt ist ein umkämpftes Feld, auf dem die Aktualität der sozialen Frage besonders deutlich  wird. Wo ich wohne und wie ich wohne, ist in erster Linie von den ökonomischen Ressourcen abhängig. Die häufig propagierte Flucht auf das Land, wo günstige Mieten und Grundstückpreise die heile Welt versprechen, erweist sich als ein Schlag ins Wasser. Der Hausbau oder der Wohnungskauf führen zu jahrelanger Abhängigkeit von Banken, Versicherungen und letztlich dem Arbeitgeber. Die ‚Häuslbauer‘ werden erst bei ihrer Pensionierung wieder so jung aussehen, wie sie wirklich sind. Wenn es stimmt, dass die menschliche Existenz zwischen Not und Langeweile hin und her pendelt (Schopenhauer), ist die Stadt der bessere Ort. Denn im dumpfen Umland pendelt nichts mehr.

Zu den Beiträgen:
- Franz Schandl arbeitet die Besonderheiten der Ware Wohnung auf der Grundlage der Marxschen Kritik der Politischen Ökonomie heraus und bietet damit einen theoretischen Einstieg in das Thema.
- Die darauf folgenden Beiträge zur Wohnungsnot sind Ergebnis unserer täglichen Erfahrung aus der Praxis. Sie beschreiben und kritisieren die sozialpolitischen Versäumnisse der vergangenen Jahre, die Preisentwicklung am Markt und zeigen realisierbare Entschärfungen der Problematik auf. Besondere Brisanz enthält der Artikel Behördlich verursachte Wohnungslosigkeit, wo die strukturelle Beteiligung am Elend durch die öffentliche Wohlfahrt sichtbar wird.
- Die  zwei Beiträge Die Diktatur der Methoden und Wohnungslos und psychisch krank weisen auf die Gefahren einer rational-technologischen, als auch einer medizinisch-diagnostischen Form der Sozialen Arbeit hin.
- Eine Aktualisierung des Zusammenhangs von prekären Jobs und miserablen Lebensverhältnissen in Österreich sowie der Befund nach zwei Jahren Tiroler Mindestsicherung zeigen, dass die Arbeitsgesellschaft noch nicht tot ist und wie wichtig der Rückgriff auf das Recht ist, um paternalistische Praktiken von Behörden und Sozialarbeitern einzudämmen.
- Wohnungslose Jugendliche, die im Chill Out mit einer besseren Zukunft rechnen, erleben mangels fehlender Ablöseperspektiven, wie viel sie in der Gesellschaft wert sind. Neben den individuellen belastenden Auswirkungen für die Kids durch den längeren Aufenthalt im Übergangswohnhaus steht die Einrichtung vor der Herausforderung, auf diese Entwicklung zu reagieren. Was es in erster Linie bräuchte, ist ein Ausbau von adäquaten Wohnplätzen der Jugendwohlfahrt und eine Erweiterung des Angebots für junge Erwachsene.
- Wer lästig ist, wird manchmal erhört: Ende 2012 bekamen wir von den Subventionsgebern die finanzielle Zusage für die bereits vor vier Jahren geforderte Familiennotwohnung. Der diesbezügliche Beitrag ist eine erste Bestandsaufnahme zu dem neuen Projekt.

Die Kurzbeschreibungen unserer Einrichtungen, die Statistiken und der Verwendungsnachweis zu den Subventionen runden den Jahresbericht wie gewohnt ab. Das Jahrbuch kann ab 18. April 2013 unter: ibk@dowas.org kostenlos bestellt werden.