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Quartiersmanagement – Wie kann Nachbarschaft gelingen?

Die Landespolitik hat sich in Vorarlberg der Aufgabe angenommen Siedlungsarbeit und gute Nachbarschaft stärker zu thematisieren. Mehrfach wurden diese Inhalte in den zuständigen Ausschüssen und im Plenum des Landtages diskutiert. Die Vorarlberger Landesregierung hat das Institut für Sozialdienste beauftragt ein Konzept zur landesweiten Siedlungsarbeit zu erstellen und im Zuge dessen wurde das Thema Nachbarschaft bei der diesjährigen
Landtagsenquete in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt.
Jährlich findet im Vorarlberger Landtag eine Enquete statt, bei welcher sich der Landtag mit einem besonderen Thema beschäftigt, das wechselnd von den unterschiedlichen politischen Fraktionen vorgeschlagen wird. „Quartiersmanagement - Wie gelingt gute Nachbarschaft?“, war heuer das von der SPÖ vorgeschlagene Thema. Wie müssen wir unsere Wohn- und Siedlungsräume gestalten, damit nicht nur der Bedarf an Wohnfläche gedeckt ist, sondern auch ein gutes Zusammenleben aller Beteiligten möglich ist? Zum ersten Mal wurde zu diesem Zweck im Vorfeld ein Bürgerrat installiert, welcher aus elf zufällig gewählten freiwilligen Bürgern und Bürgerinnen, als „AlltagsexpertInnen“, bestand. Die TeilnehmerInnen konnten völlig selbstständig, lediglich durch minimale Begleitung zweier Mitarbeiterinnen des Büros für Zukunftsfragen des Amtes der Vorarlberger Landesregierung, dieses Thema eineinhalb Tage lang diskutieren und Lösungsvorschläge ausarbeiten, welche dann bei der Enquete präsentiert wurden.
Gabriele Nussbaumer, Landtagspräsidentin, läutete die Veranstaltung mit begrüßenden Worten ein. Maren Schreier, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachhochschule St. Gallen hielt ein Impulsreferat zum Thema "Auf gute Nachbarschaft"– Integration statt Segregation“ und gab einen praxisnahen Einblick in das Thema. Sie arbeitete selbst lange Zeit in dem großen Randquartier Tenever in Bremen, im Bereich Quartiersentwicklung und Quartiersmanagement. Projektleiter Martin Assmann von Vision Rheintal präsentierte die Ergebnisse der Studie zur Anzahl der gemeinnützigen Mietwohnungen in den Gemeinden und Städten im Rheintal. Der Bürgerrat trug daraufhin die erarbeiteten Ergebnisse vor und es fielen Schlagworte wie Nachbarschaftsdemokratie, Nachbarschaftsgremien und Schlichtungsstelle. Der Bürgerrat zeigte noch einmal auf, dass die Entwicklung von Quartieren von mehreren Aspekten abhängig ist. Dem zu Folge ist dies primär eine Frage des Umgangs miteinander und der Kommunikation. Ebenfalls betonten die freiwilligen BürgerrätInnen, dass die Beeinflussung dieser Aspekte durch sozial-, wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Größen bei der Entwicklung einer guten Nachbarschaftskultur relevant ist. Die rund hundert Gäste, darunter auch VertreterInnen unterschiedlichster Gemeinden und Städte, PolitikerInnen und GeschäftsführerInnen sozialer Institutionen, hatten zum Schluss der Veranstaltung noch die Gelegenheit in einer abgespeckten Version des World Cafés in gemischten Runden die Thematik zu diskutieren.
Alles in Allem war es eine gelungene Veranstaltung und es wurde noch einmal deutlich, dass Rahmenbedingungen für eine gute Nachbarschaft geschaffen werden müssen, damit Quartiere sich entwickeln können.

Elke Oswald, IfS – Wohnen, Institut für Sozialdienste Vorarlberg

"Parteien uneinig über Nachbarschaftsarbeit" (Vorarlberg.orf.at am 17.11.2012)
Homepage Institut für Sozialdienste Vorarlberg, Fachbereich Wohnen