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Rückschau: Workshop in Graz zu neuen Wegen aus der Frauenarmut

Armut und Armutsgefährdung betrifft Frauen häufiger als Männer. Besonders alleinstehende Pensionistinnen und Alleinerzieherinnnen sind betroffen. Warum das so ist und welche Wege aus der Frauenarmut gefunden werden können, war Thema der AURORA plus Veranstaltung Ende November 2009 in Graz.

Aktionspläne, die Erfordernisse eines existenzsichernden Einkommens, Auswirkungen eines bedingungslosen Grundeinkommens und bessere Zugangsmöglichkeiten für Migrantinnen zu Bildung und Arbeit wurden diskutiert. Die Zusammenhänge zwischen Armut und struktureller Gewalt wurden sichtbar gemacht und die spezifischen Bedürfnisse wohnungsloser Frauen erörtert.
Dabei konnte festgestellt werden, dass das Angebot für psychisch kranke Personen fehlt und kaum geschlechtsspezifische sowie bedürfnisgerechte Angebote der Wohnungslosenhilfe existieren um Frauen unterzubringen. So werden KlientInnen vermehrt in Einrichtungen weitergereicht, die nicht passend sind.

Aus dem Status Quo in der Wohnungslosenhilfe ergeben sich folgende Schlussfolgerungen:
Mehr Angebote speziell für Frauen werden benötigt, auch im niederschwelligen Bereich.
Eine Art „Betreuung light“ als Angebot für Menschen, die keine Betreuung brauchen oder wollen fehlt noch. Der „Housing First Ansatz“, nämlich eine Wohnung vor der Erfüllung diverser Aufnahmekriterien für eine betreute Wohnform (Alkohol-, Drogenentzug, Schuldenregulierung, …) statt wie bisher, die vorangehende Erfüllung von Aufnahmekriterien ist wünschenswert. In einer adäquaten Wohnung kann dann Unterstützung zur Lösung aller Probleme angeboten werden.
MitarbeiterInnen der WLH sowie Betroffene sollten in die Planung von Einrichtungen und Hilfeangeboten mit einbezogen werden.
Es fehlen ein einheitliches Bundessozialhilfesystem sowie der Rechtsanspruch auf die realen Anmietungskosten einer eigenen Wohnung. Mit einer einheitlichen Vorgangsweise und einem Rechtsanspruch auf die Finanzierung der Anmietungskosten kann die Dauer der
Wohnungslosigkeit für einen Teil der KlientInnen sehr stark verkürzt werden.
Ein ganz wesentlicher Punkt ist leistbarer Wohnraum:
Da der Hauptgrund für den Verlust einer Wohnung (zu mehr als 80%) ein Mietrückstand
ist, könnten viele Delogierungen verhindert werden, wenn die Betroffenen anstatt viel zu
teurem Wohnraum eine Wohnung deren Miete dem Einkommen angepasst ist, anmieten
könnten. Dazu kommt, dass viele wohnungslose Menschen sehr lange in Einrichtungen
der Wohnungslosenhilfe verbleiben müssen weil sie keinen leistbaren Wohnraum finden.

Das Institut für Gesellschaftspolitik und Sozialpolitik der Universität Linz befragte armutsbetroffene Frauen zu ihren Bedürfnissen. Eine Arbeit, von der sie leben können, steht für viele im Vordergrund.

Volkshilfe Bundesgeschäftsführer Erich Fenninger, Sprecher der Initiative AURORA plus, forderte angesichts der ungleichen Verteilung von Vermögen die Einführung einer Vermögenssteuer. Um die Einkommensschere zu verringern, will Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek eine Einkommenstransparenz für Betriebe, verbunden mit Sanktionen für die Schlechterstellung von Frauen. „Armut drückt Herrschaftsverhältnisse aus“, hielt die Politologin Gabriele Michalitsch fest und: „Es braucht Druck von unten und Widerstand.“
Die sozialpolitischen sowie gesellschaftlichen Forderungen und Lösungsvorschläge reichen von einem kollektiven Frauenstreik, über eine Neuberwertung von Frauenarbeit durch das Hinterfragen von Rollenbildern schon im Kindergarten, die Anerkennung informeller Qualifikationen von MigrantInnen, bedürfnisgerechte Angebote für wohnungslose Frauen, Präventionsarbeit zum Thema Gewalt gegen Frauen bis zu Genderbudgeting.