Details

Vom Versagen der Jugendwohlfahrtspolitik und der Lüge von der Chancengleichheit

Reden wir über Jasmin: Jasmin musste am 26. Jänner aus ihrer Jugendwohngemeinschaft ausziehen. Ein wohl begründeter Antrag auf Verlängerung der Jugendwohlfahrtsmaßnahme wurde eine Woche vor ihrem Geburtstag seitens des Soziallandesrates abgelehnt. Selbst das Argument, dass sie gerade eine Anlehre begonnen habe, nützte nichts – das Diktat der leeren öffentlichen Kassen! Jasmin wurde entlassen. In eine Welt, in der sie auf kein Netzwerk zurückgreifen konnte. Nicht auf ihre Herkunftsfamilie, nicht auf Freunde oder Bekannte. So landete sie vorübergehend in einer Jugendnotschlafstelle, verlor in der Folge ihren Ausbildungsplatz und damit ihre letzte Existenzsicherung. Seitdem pendelt Jasmin zwischen dem AMS und dem Sozialamt. Beim AMS hat sie keinerlei Leistungsansprüche und das Sozialamt verlangt von ihr, ihre Unterhaltsansprüche durchzusetzen. Jasmin lebt in einem luftleeren Raum. Ihre Vergangenheit ist von Gewalt, Vernachlässigung und Hospitalisierung geprägt, ihre Gegenwart von Verzweiflung. Ihre Zukunft ist ein schmaler Grat, bedroht von Verschuldung und Kriminalität.

Jugendliche wie Jasmin überschwemmen seit 2 Jahren die Wohnungsloseneinrichtungen in Kärnten. Mehr als 40 Prozent aller BewohnerInnen des „BeWo – Betreut Wohnen“ der Volkshilfe Kärnten sind Männer und Frauen, die nicht älter als 30 Jahre alt sind. Sie lebten als Kinder in unterschiedlichen Einrichtungen der Jugendwohlfahrt, haben abgebrochene Schul- und Berufslaufbahnen hinter sich, passen oft nicht in die Kategorien wohlfahrtsstaatlicher Vorgaben und werden von der Gesellschaft sprichwörtlich im Stich gelassen. Der Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen wird zunehmend prekär. Dringend notwendige Sonderregelungen für junge Erwachsene sind in weite Ferne gerückt und unter der Verpflichtung zum Sparen im öffentlichen Bereich und einer zunehmend neoliberal ausgerichteten Sozialpolitik werden immer mehr junge Erwachsene an den Rand der Gesellschaft gerückt.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Jugendphase in den letzten hundert Jahren sukzessive verlängert wurde – die gilt allerdings nur für privilegierte Jugendliche, die eine längere Ausbildungszeit genießen und den Eintritt in das Erwachsenenleben dadurch verzögern können. Die Mehrzahl der Jugendlichen werden aber in der Regel früh – aus unserer Sicht zu früh – mit einer konkurrenzorientierten Gesellschaft konfrontiert, der sie nicht gewachsen sind. Sie erleben Prekarität in ihrer brutalsten Form.