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Winternotschlafstelle in Innsbruck – Status Quo eines notwendigen Übels

Am 16. November nahm die Winternotschlafstelle in Innsbruck wieder ihren Betrieb auf.
Zum dritten Mal in Folge wird sie von einer Organisation geführt, die als Betreiber der Winternotschlafstelle durch die permanente Unterwanderung von Mindeststandards aufgefallen ist.
Der SPAK Tirol und andere Vernetzungsgremien weisen seit Jahren auf die eklatanten Mängel der Einrichtung hin.
Der Blick auf die Einrichtung ist ein Lehrstück das wesentliche Faktoren großer Theaterstücke enthält – Ränkespiele, Gier, Machtgelüste etc. Der Unterschied zu Shakespeare besteht allerdings darin, dass nicht ein König oder Machthaber sondern wohnungslose Menschen die Suppe auszulöffeln haben.

Obwohl Innsbruck im österreichischen Vergleich über überdurchschnittlich viele Notschlafstellenplätze verfügt,  „musste“ in den vergangenen Jahren zusätzlich eine Winternotschlafstelle eingerichtet werden.
Dies hat überwiegend zwei Gründe: Erstens sind die zwei großen städtischen Notschlafstellen schon längst keine Noteinrichtungen mehr und haben sich zu Langzeit-Wohneinrichtungen entwickelt. Menschen leben dort Jahre bis Jahrzehnte in Mehrbettzimmern  – mit allen negativen Auswirkungen wie fehlende Privatsphäre,  Hospitalisierung, geringe Fluktuation etc. Zweitens schließen gesetzliche Rahmenbedingungen und für niederschwellige Einrichtungen ein völlig ungeeignetes Finanzierungssystem eine Gruppe von Menschen zwangsläufig aus – nämlich all jene Personen, die aufgrund ihres Aufenthaltsstatus keinen Anspruch auf Mindestsicherung haben.

Eine Arbeitsgruppe hat im Jahr 2012 kontinuierlich daran gearbeitet, die notwendigen Schritte zur „Modernisierung“ der Innsbruck Wohnungslosenhilfe umsetzbar zu machen. Da das Ziel eines Rückbaus von Großeinrichtungen zugunsten ausdifferenzierter und bewährter Angebote noch auf sich warten lässt, war eine selbst gestellte Aufgabe, zumindest Mindeststandards für die Winternotschlafstelle zu gewährleisten. Zudem hat ein erfahrener privater Wohnungslosenverein ein neues Konzept vorgelegt, das bei Umsetzung mehr oder weniger alle Missstände der vergangenen Jahre beseitigt hätte.
Die Politik und Verwaltung hat jedoch befunden, dass ein Kostenunterschied von € 90,-- pro Tag für die gesamte Einrichtung Grund genug ist, sich für den Billigstbieter zu entscheiden. Mit dem für die Periode November 2012 bis April 2013 „eingesparten“ Geld kann in Tirol immerhin 400 Millimeter Autobahn gebaut werden. Das Ergebnis ist nun, dass die Winternotschlafstelle aufs Neue von jenen betrieben wird, die in den vergangenen zwei Wintern bewiesen haben, dass mangelnde Grundhaltungen mindestens so katastrophale Auswirkungen haben wie zu geringe Finanzierung.

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren wurden vom Land Tirol deutlich bessere, von den Grundvoraussetzungen den Mindeststandards entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Der Minimalismus die Ausstattung betreffend ist jedoch erschreckend. Außer einer Klapptrage zum Schlafen finden die Hilfesuchenden keinerlei Mobiliar vor. Es gibt nicht einmal Kleiderhaken an den Wänden. Bereits nach wenigen Tagen häufen sich die Reklamationen von KlientInnen die die Vermittlung in die Einrichtung verweigern.

Ob es an der typischen Tiroler Beharrlichkeit (manche würden Sturheit dazu sagen) liegt oder an den eingangs erwähnten Ränkespielen, Gier und Machtgelüsten bleibt spekulativ. Die privaten Träger der Innsbruck Wohnungslosenhilfe werden jedenfalls sehr genau hinschauen, ob sich (wie angekündigt) die Zustände verbessern.

Für die BAWO Fachtagung von 15.-17. Mai 2013 ist  u.a. einen Arbeitskreis zu der Thematik „Standards in der Winter-Notversorgung“ geplant.