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Zugang zu eigenständigem Wohnraum für Menschen mit Betreuungsbedarf schaffen – Ziel des Konzepts einer Wohnplattform Wien

Eigenständiges Wohnen auch für Menschen mit Betreuungsbedarf anzubieten, ist
wesentliches Ziel einer De-Institutionalisierung. Dies entspricht internationalen
Grundlagen wie der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit
Behinderungen und geht konform mit den fachlichen Standards von Housing First, wie sie europaweit diskutiert und gegenwärtig auch in der Wiener Wohnungslosenhilfe umgesetzt werden. Wie der dafür notwendige Zugang zu Wohnraum gewährleistet werden kann, beschäftigt europa- und österreichweit. In Wien wird an einem Lösungsansatz gearbeitet – konkret an einer Wohnplattform Wien.

Von der im Dachverband Wr. Sozialeinrichtungen angesiedelten Arbeitsgruppe „Leistbares Wohnen“ wurde in einem Positionspapier  im Jahr 2013 die Schaffung einer trägerübergreifenden Akquisestelle empfohlen. Daraufhin wurde auf Initiative von vier Trägerorganisationen (Caritas, neunerhaus, Volkshilfe, “wieder wohnen“) und nach Auftrag des Fonds Soziales Wien sowie des Dachverbands Wr. Sozialeinrichtungen ein „Konzept Wohnplattform Wien“ erstellt. Dieses liegt den zuständigen PolitikerInnen seit kurzem vor.

Derzeit können – hauptsächlich durch die soziale Wohnungsvergabe von Wiener Wohnen – jährlich rund 700 Wohnungen an KlientInnen der Wiener Wohnungslosenhilfe vermittelt werden. Um den Bedarf zu decken, braucht es zusätzlich mindestens 500 Wohnungen pro Jahr. Davon sollen in einem ersten Schritt über die Wohnplattform 200 Wohnungen pro Jahr akquiriert werden; vorwiegend aus dem gemeinnützigen Sektor.

Das Konzept benennt als zentrale Aufgabe einer „Wohnplattform Wien“ die Akquise von leistbaren und adäquaten Wohnungen sowie deren Vermittlung an KlientInnen der Wiener Wohnungslosenhilfe, die von einem Housing First Team betreut werden. Weitere Aufgabenbereiche betreffen die strukturierte Kooperation mit der Wohnungswirtschaft, die Qualitätssicherung an der Schnittstelle zur Betreuung sowie die Administration von subsidiären Unterstützungsleistungen.

Die subsidiären Unterstützungsleistungen können nach Ausschöpfung bestehender finanzieller Hilfeleistungen während des ersten Jahres für Anmietungskosten und/oder Mietrückstände – wenn dies von der Betreuung für nachhaltig sinnvoll erachtet wird – oder für Delogierungskosten gewährt werden.

KlientInnen erhalten ein mietrechtlich abgesichertes Mietverhältnis; Obdach- bzw. Wohnungslosigkeit wird daher unmittelbar beendet. Die Bereiche „Wohnen“ und „Betreuen“ sind damit entsprechend dem Vorbild von „Housing First. Das Wiener Modell“  getrennt. Gleichzeitig wird den VermieterInnen durch die subsidiäre Unterstützungsleistung finanzielle Sicherheit geboten.
 
Die Wohnplattform Wien setzt sich das Ziel, einen De-Institutionalisierungsprozess der Wiener Wohnungslosenhilfe zu unterstützen bzw. voranzureiben. Bei erfolgreicher Umsetzung ist die Öffnung für andere Zielgruppen angedacht.