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Zum aktuellen Stand der Entwicklungen der Wohnungslosenhilfe in Salzburg

Im Bundesland Salzburg sind im Wesentlichen drei Träger von Angeboten für Wohnungslose zu unterscheiden. Das sind zum einen die Soziale Arbeit GmbH sowie die Caritas Salzburg, die jeweils eine Reihe von Einrichtungen für wohnungslose Menschen führen. Weiters gibt es noch das Beratungs- und Betreuungsangebot für wohnungslose Frauen durch den Verein Frauentreffpunkt.

Versorgungsstruktur

Während die Vorsorgen für ambulante Hilfen im Bundesland Salzburg überdurchschnittlich hoch ausfallen und die WLH knapp fünf aus tausend SalzburgerInnen mit Beratungsangeboten erreicht, liegen die Wohnbetreuungsvorsorgen weit abgeschlagen am untersten Ende der entsprechenden Verteilung in Österreich.
Die Verteilung der KlientInnen auf die unterschiedlichen Wohnbetreuungstypen weist ein spezifisches Profil der Wohnbetreuung im Bundesland Salzburg aus, nach dem insbesondere die ambulante Wohnbetreuung in von Trägern angemieteten Wohnungen favorisiert wird. Demgegenüber wird eine unbefristete heimförmige Unterbringung lediglich für ältere wohnungslose Menschen angeboten, die dezidiert auf eine Langzeitbetreuung abstellt.
Auffällig ist in diesem Zusammenhang noch die Tatsache, dass eine systematische Betreuung von KlientInnen der WLH, die inzwischen in eigene Wohnungen vermittelt werden konnten, nicht angeboten wird. Übersicht der WLH-Einrichtungen in Salzburg

Regionalisierung

Eine ausdifferenzierte WLH gibt es im Bundesland Salzburg nur im Zentralraum um die Landeshauptstadt. Im Mittelpunkt dieser WLH-Vorsorgen stehen die Beratungsangebote von SAG (allgemeine integrative Sozialberatung) und Caritas (Bahnhofsozialdienst), die im Wesentlichen auch eine Verteilungsfunktion bezüglich der Zugänge zum betreuten Wohnen sowie weiteren spezifischen WLH-Angeboten inne haben. Notschlafstellen für Jugendliche sowie für Erwachsene runden ein Programm ab, das allerdings ohne tagesstrukturierende Angebote auskommen muss. Ein weiteres zentrales Problem stellen in Salzburg die vielen unbetreuten (Billig-)Pensionen dar, in denen viele Wohnungslose mehr oder minder dauerhaft untergebracht sind.

Die Wohnungslosenhilfe ist demnach ausschließlich im Bereich der Stadt Salzburg angesiedelt und hier (gut) ausdifferenziert. Tatsächlich gibt es mit Ausnahme der Delogierungsprävention keine professionellen Angebote der WLH in den Bezirken, die auch in den Bezirken Sprechstunden und z.T. auch aufsuchende Beratung anbietet. Hilfesuchende in existenzieller Wohnungsnot aus den ländlichen Gemeinden sind mithin darauf angewiesen, für die Lösung und/oder Bearbeitung ihrer Probleme in den Ballungsraum auszupendeln. Gemäß den Praxisberichten der städtischen WLH-Einrichtungen nimmt der Problemtransfer aus dem ländlichen Raum einen Großteil des Problemanfalls in der WLH ein. Versuche in den vergangenen Jahren, einschlägige Angebote (Beratung, Tageszentren etc.) auch in den anderen Bezirken Salzburgs aufzubauen, haben sich letztlich nicht etablieren können.

Gender und Diversity in der Wohnungslosenhilfe

Hier zeigt sich das weit verbreitete Bild, dass die Regeleinrichtungen nur sehr unzureichend nach gender- und diversityspezifischen Gesichtspunkten ausgerichtet sind und überwiegend männliches Klientel bedienen. Die Spezialangebote für Frauen (Frauentreffpunkt) und für Jugendliche/junge Erwachsene (exit 7/bivak) führen demgegenüber ein eher isoliertes Nischendasein.

Monitoring, Dokumentation und Vorsorgen für Qualitätssicherung

Die jährliche Erhebung von quantitativen Aspekten der Wohnungslosigkeit wird seit mehr als 10 Jahren ausschließlich in der Regie der WLH-Einrichtungen ausgeführt und beschränkt sich, unter anderem aufgrund der fehlenden Kooperation der Sozialverwaltung des Landes, auf die Wohnungslosigkeit in der Stadt Salzburg; qualitative Aspekte und/oder eine systematische Vertiefung bleiben mangels entsprechender Ressourcen ebenfalls ausgeklammert (zuletzt wurde unter Verweis auf die aktuelle Studie des Sozialministeriums die Finanzierung einer qualitativen Ergänzungsstudie abgelehnt).

Verhinderung von Wohnraumverlust - (Delogierungs-)Prävention

Auf Initiative des privaten WLH-Trägers Soziale Arbeit GmbH konnte in den frühen 90er Jahren eine systematische Bedarfsanalyse und Machbarkeitsstudie, finanziert aus Mitteln der Wohnbauforschung, durchgeführt werden. Diese Studie und die damit belegten Aussagen bezüglich Machbarkeit und Effekten gelungener Prävention waren letztlich der Startschuss für den Beginn der professionellen Delogierungsprävention in Österreich. In Salzburg ist mittlerweile eine flächendeckende (Sprechstunden in den Bezirkshauptstädten) Vorsorge durch die Fachstelle für Delogierungsprävention (Soziale Arbeit GmbH) gewährleistet, allerdings deutlich behindert durch das Faktum unzureichender Rahmenbedingungen bezüglich Zugang zu entsprechenden Sozialhilfemitteln (um allfällige Mietschulden abdecken zu können), Zugang zu Ersatzwohnraum (um die betroffenen Haushalte bei der Wohnungssuche zu unterstützen), Gewährleistung einer nachgehenden und aufsuchenden Betreuung für Personen, die von sich aus den Gang in eine formelle Beratungs- / Unterstützungseinrichtung vermeiden.
In der Landeshauptstadt Salzburg fallen Delogierungsverfahren sowie entsprechende Exekutionen überproportional häufig an. Demgegenüber sind entsprechende Verfahren in den kleineren Bezirksstädten bzw. den ländlichen Regionen eher selten.

Anhängige Delogierungsverfahren (Tabelle)

In insgesamt 14% der hier dokumentierten gerichtlichen Kündigungs-/Räumungsverfahren ist es im Jahr 2006 zu einer Räumungsexekution gekommen. Dieser Wert liegt ausgesprochen niedrig, was wohl zu einem wesentlichen Teil auf die positive Bilanz der Delogierungsberatung zurückzuführen sein dürfte.

Ergebnisse Delogierungsberatung (Tabelle)


Insgesamt waren im Jahr 2006 im Bundesland Salzburg 1.991 gerichtliche Verfahren zu Kündigung oder Räumung anhängig. Davon wurden von der Fachstelle für Gefährdetenhilfe 1.495 Haushalte brieflich kontaktiert; das entspricht einem Anteil von 75%.
Bei immerhin 937 Verfahrensfällen (47%) konnte darüberhinaus eine Erstberatung durchgeführt werden. Insgesamt 432 Haushalte haben in der Folge eine weitergehende Beratung mit dem Ziel der Verhinderung der Delogierung in Anspruch genommen.
Während 19 dieser Beratungsfälle zum Jahresende noch nicht abgeschlossen waren, zeigt sich bei den anderen Beratungsverläufen ein ausgesprochen positives Gesamtergebnis. Dementsprechend konnten durch die geleistete Beratung in 335 Verfahren das Wohnverhältnis gesichert werden (76%). Lediglich in 6 Verfahren war eine Räumung nicht zu verhindern (1% der Beratungsfälle). Bei weiteren 72 Beratungsverläufen musste ein Abbruch der Beratung ohne Ergebnis konstatiert werden (17%). Über den Wohnstatus dieser Haushalte nach Beratungsabbruch gibt es in der übermittelten Jahresstatistik keine Evidenz.

Rehabitation

Initiativen zur Verbesserung der Zugänge zu preisgünstigen Wohnungen und zur Verbesserung der Kooperation mit den gemeinnützigen Wohnbauträgern sind – von Seiten des Forum Wohnungslosenhilfe - eingeleitet (Sozialpolitischer Appell). Aktuell gibt es nur äußerst unzureichende tragfähige Strukturen für die Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen der WLH und der Wohnungswirtschaft.

Bedarf nach ergänzenden Angeboten

In den laufenden Beratungen des Forum Wohnungslosenhilfe wurden in den letzten Jahren zentrale Mangelfeststellungen im Bereich der Wohnungslosenhilfe sowie bei Schnittstellen zu anderen Versorgungsbereichen im Bundeslnad Salzburg getroffen. Auf dieser Grundlage fordert das Forum WLH den Ausbau bzw. die Weiterentwicklung folgender Angebote:

• FrauenWohnraum: Tagesstruktur und Wohnnotversorgung für Frauen (mit Kindern); Konzept
• Beratung und Betreuung für wohnungslose Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen
• Ausbau und strukturelle Absicherung von Versorgungsangeboten für wohnungslose bzw. von Wohnungslosigkeit bedrohte Personen und Haushalte in den ländlichen Regionen und Gemeinden (Regionalisierung)
• Einrichtung eines Kontingents von leistbaren Wohnungen für KlientInnen der Wohnungslosenhilfe
• Einrichtung von niederschwelligen Tagesstrukturangeboten mit integrierter Beratung für wohnungslose Menschen
• Ergänzende Angebote (Tagesstruktur, Beratung, Streetwork) für wohnungslose Jugendliche und junge Erwachsene – eine Notschlafstelle alleine ist zu wenig!
• Rücknahme der Kürzung des Höchst zulässigen Wohnungsaufwandes in der Sozialhilfe
• Verbesserung der Wohnversorgung von SalzburgerInnen mit Migrationshintergrund in Wohnungsnot
• Ausbau und strukturelle Verankerung der Erwerbs- bzw. Zuverdienstangebote für Klientel in der Wohnungslosenhilfe
• Strukturelle Verankerung und qualitativer Ausbau der jährlichen Wohnungslosenerhebung (Bedarfsdeckungsprüfung als Grundlage für Wohnungslosenhilfeplanung)
• Das Land Salzburg wird aufgerufen eine verbindliche Wohnungslosenhilfeplanung einzurichten und einen Entwicklungsplan für die Angebote der Wohnungslosenhilfe aufzulegen