AURORA plus

Armut geht uns alle an. In der Europäischen Union leben 78 Millionen Menschen (16%) unter der Armutsgefährdungsschwelle. In allen Mitgliedstaaten ist ein Teil der Bevölkerung von Ausgrenzung und Benachteiligungen betroffen. Oft haben diese Personen nur eingeschränkten Zugang zu Grundversorgung. Zunehmend schützt auch Arbeit nicht mehr vor Armut.

Rückblick

AURORA plus FACHKONFERENZ in LINZ

Armut – Ursachen, Dimensionen, Perspektiven

Die Fachkonferenz fand am 15. April 2010 in der Johannes-Kepler-Universität Linz statt.
Zahlreiche BesucherInnen waren erschienen um an dem Forum zur Diskussion innovativer armuts- und sozialpolitischer Handlungsansätze auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene teilzunehmen.
In vier Panels wurde die Verknüpfung von fachwissenschaftlichem Diskurs und anwendungsorientierten Zugängen diskutiert und sozialpolitische Forderungen erarbeitet.  Verschiedene ExpertInnen präsentierten Kurzreferate und stellten diese anschließend zur Diskussion.  

Panel 1 widmete sich der Armutsbekämpfung und Existenzsicherung. Unter der Leitung von Christine Stelzer-Orthofer (Institut für Gesellschafts- und Sozialpolitik, JKU Linz) wurden  Politikansätze und Instrumente diskutiert.

Panel 2 unter der Leitung von Marcel Fink (Institut für Staatswissenschaften, Uni Wien)  ging es um Aktivierung; Politikansätze und Instrumente die das Ziel, Betroffene zu aktivieren, erreichen könnten.

Panel 3 diskutierte europäische Ansätze zur Armutsbekämpfung in Österreich unter der Leitung von Josef Weidenholzer (Vorstand des Institutes für Gesellschafts- und Sozialpolitik, JKU Linz).

Panel 4 widmete sich den sozialen Ausgrenzungsrisiken und Inklusionspolitiken am Wohnungssektor. Unter der Leitung von Heidrun Feigelfeld (SRZ Stadt+Regionalforschung Wien) wurden Themen wie Wohnbauförderung, Wohnbeihilfe sowie der Finnische Ansatz des "Housing First" unter die Lupe genommen und die derzeitige Situation am Wohnungssektor in Österreich hinsichtlich ihres Entwicklungspotenzials erörtert.

Die die einzelnen Unterlagen der Veranstaltung finden Sie unter www.aurora-austria.eu

Hier finden Sie das Programm der Fachkonferenz in Linz

AURORA plus Workshop Graz

Die letzte Veranstaltung von AURORA plus war ein Workshop in Graz zum Thema "Neue Wege aus der Frauen-Armut".

229.000 Frauen in Österreich leben in manifester Armut (EU-SILC 2007). Alleinerzieherinnen und Pensionistinnen gehören zu den am häufigsten von Armut betroffenen Gruppen. Die Gründe für Frauenarmut sind vielfältig: schlechtere Bildungsmöglichkeiten, erschwerter Zugang zum Arbeitsmarkt, unzureichende Kinderbetreuung, Pflegezuständigkeit für Familienangehörige bis hin zu psychischen und physischen Erkrankungen. Die Folge ist ein Mangel in vielen Bereichen: Kein Geld für das Notwendigste, keine Teilnahme der Kinder an Schul- und Freizeitveranstaltungen, keine kulturelle und politische Partizipation. All dies prägt den Alltag von Frauen.

Nach wie vor verdienen Frauen im Durchschnitt um 40 Prozent weniger als Männer. Gründe dafür sind die hohe Teilzeitquote von 41,5 Prozent, meist lückenhafte Erwerbsbiographien und atypische Beschäftigung. Doch selbst durchgängig in Vollzeit beschäftigt, liegen die Einkommen von Frauen um 22 Prozent unter jenen von Männern. Frauen müssen sich daher bei sozialen Transferzahlungen wie Arbeitslosengeld und Notstandshilfe oft mit geringeren Leistungen begnügen.
 
In Graz standen Ende November 2009 "Neue Wege aus der Frauenarmut" im Mittelpunkt. Diskutiert wurde das Zusammenwirken nationaler und regionaler Aktionspläne, die Erfordernisse eines existenzsichernden Einkommens für Frauen, bessere Zugangsmöglichkeiten für Migrantinnen zu Bildung und Arbeit, die spezifischen Bedürfnisse wohnungsloser Frauen, Zusammenhänge zwischen Armut und struktureller Gewalt und welche Berufe neue Wege eröffnen können. Zum Programm

Weitere Informationen zu der Veranstaltung sowie zur Initiative finden Sie auf www.aurora-austria.eu.  

AURORA plus Workshop KLAGENFURT

Die Veranstaltung in KLAGENFURT war ein Workshop zum Thema 'Wohnungsnot beenden heißt: Armut bekämpfen'.

In Österreich wendet die Mehrheit der armutsgefährdeten und armen Personen - rund 650.000 - mehr als ein Viertel ihres Einkommens für Wohnkosten auf, fast 300.000 Armutsgefährdete bezeichnen ihre Wohnkosten als sehr starke Belastung. Auch ihr Wohnstandard ist besonders schlecht.

In KLAGENFURT standen "Neue Wege aus der Wohnungsnot" im Mittelpunkt, so auch europäische Entwicklungen im Kampf gegen Wohnungslosigkeit wie zum Beispiel "housing first". Das Programm umfasste Referate österreichischer und europäischer ExpertInnen, sowie Diskussionen im Plenum und in Kleingruppen zu den Themen


·        Neue Kooperationen mit der Wohnungswirtschaft
·        Housing Rights Watch
·       Wohnen und Mindestsicherung
·       "Housing First"
·        MigrantInnen - Wohnen und Überwindung von Zugangsbarrieren

Hier finden Sie das detaillierte Programm zur Veranstaltung.
Ein Zeitungsartikel der ÖGZ zur Veranstaltung in Klagenfurt.
Weitere Informationen zur Initiative finden Sie auf www.aurora-austria.eu

AURORA plus tagte in Linz

Die zweite Veranstaltung der Initiative ‚AURORA plus. Neue Wege aus der Armut’ in Linz setzte sich mit dem Thema „Armut und Existenzsicherung“ auseinander. Josef Ackerl, o.ö. Sozial-Landesrat, bezeichnete in seiner Begrüßung die Bekämpfung der Armut als eine äußerst wichtige Aufgabe, jedoch sei diese nur ein Bestandteil eines gesamtgesellschaftspolitischen Engagements. Er lobte die inhaltlichen Auseinandersetzungen mit diesem Thema, erinnerte aber daran, dass es vor allem konkreter Handlungsansätze von Seiten der Bundesregierung bedürfe, um politische Veränderungen durchzusetzen. Auch Erich Fenninger, Geschäftsführer der Volkshilfe Österreich, betonte die Wichtigkeit der Entwicklung konkreter Maßnahmen, um helfen zu können. Das Projekt AURORA plus könne wesentlich dazu beitragen, ein sozialeres Europa zu verwirklichen. Die Politik sei dazu aufgerufen, bestehende Arbeitsplätze zu finanzieren, während Firmen Schritte setzen müssen, um Menschen in ihren Betrieben zu halten. Eine Steuer- und Verteilungsgerechtigkeit sei notwendig, um die soziale Schieflage zu beseitigen. Anstatt Ausgrenzung und ein Gegeneinander der Menschen innerhalb der Gesellschaft zu erzeugen, müsse die Politik innerhalb eines europäischen Sozialstaates gezielt „Inklusionsarbeit“ leisten, um das Miteinander zu fördern.

Josef Weidenholzer, Präsident von SOLIDAR, gab zu bedenken, dass die Grundmanifeste der Demokratie gefährdet wären, wenn soziale Aspekte von der öffentlichen Debatte verschwinden würden. Daher sei es wichtig, gemeinsam Konzepte für eine demokratische Sozialpolitik zu entwickeln. Die TeilnehmerInnen an der anschließenden Podiumsdiskussion, Birgit Gerstorfer (AMS OÖ), Mümtaz Karakurt (MIGRARE), Erhard Prugger (WK OÖ), Iris Woltran (AK OÖ) und Christine Stelzer-Orthofer (JKU) schilderten ihre Erfahrungen und Prioritäten in Bezug auf das Thema Armut und Existenzsicherung.

Walter Wolf von der Europäischen Kommission informierte in seinem Impulsreferat über die Unterschiede zwischen der EU-Mitgliedstaaten in Hinblick auf die Sozialpolitik und die daher notwendigen jeweiligen Lösungen. Die gemeinsamen Voraussetzungen für eine funktionierende Sozialpolitik seien einerseits die Sicherstellung des Zugangs zum Arbeitsmarkt und andererseits die Analyse der Arbeitsmarksituation für Betroffene in Zeiten der Krise. Wolf richtete einen Appell an alle im sozialen Sektor Tätigen: Man müsse den Nutzen des sozialen Sektors demonstrieren. Und man müsse denen, die die Finanzen verwalten, gute Argumente liefern, dass das, was der soziale Sektor in den Bundesländern leistet, nützlich sei.

Die nachmittäglichen Arbeitsgruppen widmeten sich den Themen „Bedarfsorientierte Mindestsicherung“, „Aktivierender Sozialstaat und Beschäftigung“, „Working Poor“ sowie „Zugewanderte Roma und Sinti“. In der gemeinsamen Präsentation der Ergebnisse im Plenum ließen sich deutliche Übereinstimmungen zwischen den Forderungen der Arbeitsgruppen feststellen. Das sich daraus ergebende Gesamtbild betonte Forderungen nach mehr Beratung und Betreuung, sowie Information der von der jeweiligen Problemlage Betroffenen, nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie der Anerkennung der Ausbildungen von MigrantInnen. Auch wurde ein Aufruf zum Kampf gegen die Steuerarmut und für existenzsichernde Löhne, sowie für den notwendigen Einbezug der Menschen ins Arbeitsrecht formuliert. Die Arbeitsgruppe zum Thema „Zugewanderte Roma und Sinti“ forderten ein politisches Programm zur Förderung ihrer Gruppe. Heidrun Feigelfeld und Christian Perl, ProjektkoordinatorInnen von AURORA plus, resümierten die Ergebnisse der Arbeitsgruppen, indem sie als oberste Priorität und Voraussetzung für alle politischen Forderungen den Kampf um die Menschenwürde und den Respekt der Menschen untereinander nannten.  

Ziele

Das Ziel der Initiative AURORA plus ist, neue Wege aus der Armut für die am härtesten von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffenen Bevölkerungsgruppen zu finden.

Es sind dies:
• Menschen, die einen Anspruch auf Sozialhilfe oder die zukünftige Bedarfsorientierte
Mindestsicherung haben,
• Frauen, die armutsgefährdet und von sozialer Ausgrenzung betroffen sind,
• Menschen, die armutsgefährdet sind und von Wohnungslosigkeit bedroht/betroffen sind,
und
• Menschen mit Migrationshintergrund, die von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen
sind, insbesondere jugendliche MigrantInnen.

Zu diesem Zweck werden nach Vornahme einer Bestandsaufnahme, strukturierte
Analysen armutspolitischer Detailvorschläge zu den vier relevanten Kernthemen
im europäischen, nationalen und lokalen Kontext erarbeitet und in einer gezielten
Medienkampagne sowohl an die Fachöffentlichkeit als auch an eine
breitere Öffentlichkeit verbreitet werden.

Drei Hauptebenen an Aktivitäten begleiten die Initiative:

  1. Neun strukturierte und evaluierte Fokusgruppen mit von Armut und sozialer Ausgrenzung Betroffenen, in unterschiedlichen Regionen, werden wissenschaftlich begleitet.

  2. Fünf Themenzentrierte Veranstaltungen werden organisiert: Diese werden auf Basis der Ergebnisse der Fokusgruppen inhaltlich und thematisch gezielt geplant und lokal über die beteiligten Regionen gestreut abgehalten. Angesprochen werden die politisch/strategische Ebene, AkteurInnen des Bereichs Soziales des Bundes, der Länder und Städte, Interessensvertretungen, SozialpartnerInnen, NGOs und (Selbsthilfe-)Vereine der Betroffenen, im strategischen und operativen Bereich, Einbeziehung breiterer Gesellschaftsbereiche, die ansonsten nicht direkt mit Armut beschäftigt sind (Bildung, Wirtschaft,…)

  3. Eine Medienkampagne, die sich einerseits an die breite Öffentlichkeit, andererseits an ein Fachpublikum wendet, informiert: Thematisierung via Qualitätsmedien, unter Zuhilfenahme einer professionellen Agentur und den Zugangskanälen der Partner (in Richtung alle Ebenen),

Dem werden zwei vertiefende Aktivitäten beigeordnet:

  • Die Ideen und Vorschläge der themenzentrierten Fokusgruppen und Veranstaltungen werden in einer sozialwissenschaftlichen Befragung eines breiteren Fachkreises verdichtet

  • Alle Ergebnisse werden in einer großen Fachkonferenz vorgestellt und vertiefend diskutiert.