4-Wände und mehr: Betroffene geben Einblick in die Arbeit der Jury

Der alternative Wohnbaupreis der S-Bausparkasse wurde diesen Frühsommer erstmals ausgeschrieben. Bis Ende Juli konnte eingereicht werden und über die beiden Monate August und September wurden die verschiedenen Projekte von den Jurymitgliedern gesichtet und bewertet. Die besten Projekte in den beiden Kategorien „Wohnen“ und „Zukunftsprojekte“ stehen nun fest. Sie werden durch die S-Bausparkasse Anfang November bekannt gegeben.

Einzigartig an dem Auswahlprozedere war die Beteiligung von Betroffenen in der Jury. Peter Gach, ebenfalls Juror und Gruppenleiter der Selbsthilfegruppe für Menschen in schwierigen Lebenssituationen, hat einen Beitrag mit seinen Eindrücken zu dem Projekt "4 Wände & mehr verfasst":

Die SHG_fMisL (Selbsthilfegruppe für Menschen in schwierigen Lebenssituationen) ist seit Jänner 2006 bei "Sichtbar werden!" (das ist eine Initiative der Armutskonferenz) engagiert und unterstützt von Anfang an die Forderung, dass von Armut betroffene Personen partizipativ an Entscheidungsfindungen beteiligt werden. Daher freut es mich als Gruppenleiter der SHG_fMisL ganz besonders, dass im Rahmen des Architekturpreises "4 Wände & mehr" der S-Bausparkasse erstmals Betroffene eingeladen wurden, als gleichberechtigte Jurymitglieder bei der Bewertung von Wohnprojekten für Obdachlose mitzuwirken.

Bei Durchsicht der eingereichten Unterlagen und den späteren Diskussionen in der Jury fiel mir ganz besonders die Spannung zwischen dem ästhetischen Anspruch der Architekten und den "gewöhnlichen" oder auch "realistischen" Erwartungen an den künftigen Lebensraum der Betroffenen selbst auf. Dabei ist aus Sicht der Betroffenen überaus bemerkenswert gewesen, dass auch die kontroversesten Standpunkte von allen involvierten Personen in konstruktiver Weise diskutiert und schlussendlich bei allen ausgewählten Projekten einhellige Übereinstimmung erzielt werden konnte.

Ganz besonders hervorheben möchte ich noch den Umstand, dass hier erstmals
Betroffene über Projekte, die für andere Betroffene gedacht sind, in einer
Jury saßen und wie alle anderen Jurymitglieder behandelt wurden, nämlich
als mündige BürgerInnen. In diesem Sinne wünsche ich mir, dass dieses
"Pilotprojekt", das durch die Einbeziehung von Betroffenen bei "4 Wände &
mehr" durchgeführt wurde, von beispielgebender Wirkung sein möge.

Peter Gach