Fachtagung 2008

Fachtagung 2008 Dokumentation

Die bisher größte Fachtagung der BAWO fand vom 28.-30. Mai 2008
in Linz im Bildungszentrum St. Magdalena statt.
Bei 26 Grad Celius Außentemperatur war die Spannung bereits am Mittwoch groß und die Podiumsdiskussion am Abend verlief sogar so heiß, dass auch die Klimaanlage mit dem Kühlen nicht mehr nachkam.
144 TeilnehmerInnen und 30 ReferentInnen bildeten den Korpus dieser Veranstaltung und widmeten sich mit großem Interesse dem vielfältigen Themenspektrum der Fachtagung.

Wie angekündigt, findet sich hier die Dokumentation zur Fachtagung mit den einzelnen Beiträgen zum download:

Hartz IV und die Auswirkungen auf die Wohnungsnotfallhilfe
Volker Busch-Geertsema

Angesichts der sich in Österreich im Verhandlungsstadium befindlichen bedarfsorientierten Mindestsicherung war es von Interesse, einen Blick über die Grenzen zu werfen um sich die Folgen und Auswirkungen von Hartz IV auf die Wohnungsnotfallhilfe und die betroffene Bevölkerung näher anzusehen. Volker Busch-Geertsemas Zusammenfassung besagt im Kern unter anderem, dass es in der Praxis trotz Bundesgesetz in den einzelnen Regionen bei der Handhabung große Unterschiede gibt, dass neue organisatorische Herausforderungen entstanden und die Armut eher zu- statt abnahm. Hartz IV ist demnach kein Vorbild für andere Länder.

Bedarfsorientierte Mindestsicherung - Aktueller Stand, offene Fragen
Walter Pfeil

Auf viele offene Fragen hatte auch Walter Pfeil noch keine Antwort, er gab in seinem Vortrag jedoch einen Überblick über den derzeitigen Stand der Bedarfsorientierte Mindestsicherung. Mängel im Hinblick auf besondere Betroffenengruppen, rechtlich ausreichende Absicherung der Leistungen und weitere Aspekte wurden erörtert und aufkommende Fragen aus dem Publikum im Rahmen der Podiumsdiskussion beantwortet.

Bedarfsorientierte Mindestsicherung - Herausforderung für das AMS
Herbert Buchinger

Das bereits im Vortrag von Volker Busch-Geertsema angesprochene Thema der organisatorischen Herausforderung im Zuge der Einführung der Bedarfsorientierten Mindestsicherung hat Herbert Buchinger in seiner Präsentation aufgegriffen und den anfallenden Ressourcenbedarf beim AMS berechnet. Auch wurden die Kritikpunkte und Einwendungen des AMS gegen den Begutachtungsentwurf vorgestellt. Mit dem Prinzip Hoffnung endete Buchingers Vortrag und mündete gleichzeitig in eine heiße Podiumsdiskussion zur Bedarfsorientierten Mindestsicherung.

Podiumsdiskussion zur Bedarfsorientierten Mindestsicherung

Psychisch kranke Wohnungslose
Schnittstelle Psychiatrie - Betreutes Wohnen
Christian Wetschka und Otto Lesch

Psychische Erkrankungen vor dem Hintergrund drohender oder faktischer Obdachlosigkeit stellen ein wachsendes Problem dar. Christian Wetschka vom Verein Struktur wies bei seinem Vortrag darauf hin, wie sehr und wie oft die psychiatrischen Diagnosen ständige Wegbegleiter der Betroffenen sind, bisweilen wie ein lebenslanges Stigma. Die Vernetzung zwischen der Psychiatrie und den Wohnungsloseneinrichtungen sowie die Vernetzung dieser untereinander bergen großen Chancen für eine zielgerechtere Versorgung von Betroffenen. Im Vortrag von Otto Lesch wurde darauf hingewiesen, wie wichtig die Integration der psychosozialen Schiene in die Diagnostik ist. Der Professor ermunterte zur Teilnahme am Diskussionsprozess rund um die Neu-Erstellung des ICD 11 der zur Zeit von einer ExpertInnengruppe der WHO erarbeitet wird.  

Vernetzung 1 Frauenarbeitskreis

Der Frauenarbeitskreis setzte sich mit dem Schwerpunkt niederschwellige tagesstrukturierende Einrichtungen auseinander. Die Fragen des Zugangs, der Aufnahmekriterien und der Anzahl an Arbeitsplätzen in den bestehenden Einrichtungen wurden erläutert sowie eine unterschiedliche Handhabung von AMS-Leistungen in den Ländern diskutiert. Zum Abschluss war frau auf der Suche nach Lösungen und weiblichen Vorbildern da als Konklusio festgestellt wurde, dass das Thema Frauenarbeit einer Aufwertung bedarf. 

Vernetzung 2 Delogierungsprävention 

Das Vernetzungstreffen Delogierungsprävention steckte sich dieses Mal ergebnisorientiert konkrete Themenziele, die in den drei zur Verfügung stehenden Stunden gemeinsam durchzudiskutieren waren und: Es wurde über Zweck und Form der Vernetzungstreffen reflektiert sowie Resümee gezogen darüber, was die Delogierungsprävention bisher schon erreicht hat und welche kurzfristigen und langfristigen Ziele noch zu setzen sind. 

Vernetzung 3 Wohnungslose Jugendliche 

Psychisch beeinträchtigte Jugendliche sind ein in den J-Nosts stets präsentes Phänomen, das noch bei vielen anderen Themen mitschwingt. Leider ist nur selten Platz und Raum um es gesondert zu behandeln. Darum widmete sich die Arbeitsgruppe J-Nost im Rahmen ihres Vernetzungsforums speziell diesem Schwerpunkt. Hierbei näherte sich die Gruppe dem Thema in zwei Schritten: Eine Situationsanalyse gab den Überblick zur aktuelle Situation in den einzelnen Notschlafstellen. Eine Perspektiventwicklung wiederum zeigte, dass es ein Bündel an Maßnahmen braucht, um  Jugendliche in psychisch schwierigen Phasen angemessen unterstützen zu können. 

Vernetzung 4 Wohnungslosenhilfe für psychisch Kranke 

Psychische Erkrankungen vor dem Hintergrund drohender oder faktischer Obdachlosigkeit stellen ein wachsendes Problem dar. Christian Wetschka vom Verein Struktur wies darauf hin, wie sehr und wie oft die psychiatrischen Diagnosen ständige Wegbegleiter der Betroffenen sind, bisweilen wie ein lebenslanges Stigma. Die Vernetzung zwischen der Psychiatrie und den Wohnungsloseneinrichtungen sowie die Vernetzung dieser untereinander bergen großen Chancen für eine zielgerechtere Versorgung von Betroffenen. Otto Lesch wies darauf hin, wie wichtig die Integration der psychosozialen Schiene in die Diagnostik ist und ermunterte zur Teilnahme am Diskussionsprozess rund um die Neu-Erstellung des ICD 11 der zur Zeit von einer ExpertInnengruppe der WHO erarbeitet wird.  Eine Zusammenfassung zu dem Themenkomplex hat Sepp Ginner erstellt.

Arbeitskreis A Migration und Wohnungsprekarität
Christoph Reinprecht

Drei Themenbereiche schauten sich die TeilnehmerInnen im Arbeitskreis Migration anhand statistischer Zahlen näher an. Sie untersuchten die sozialen Hintergründe von Ursachen und Folgen der prekären Wohnsituation von MigrantInnen, unfreiwilligen und freiwilligen Formen sozialräumlicher Konzentration und schließlich die unterschiedlichen Potentiale für Kooperation und Konflikt in Nachbarschaften. 

Arbeitskreis B Impulse aus der Männerarbeit mit wohnungslosen Männern
Romeo Bissuti

Die Genderrolle von Männern ist in der Wohnungslosenhilfe immer noch ein weitgehend unbekanntes Gebiet und damit im Gegensatz zur gut reflektierten weiblichen Genderrolle auch unterrepräsentiert. Romeo Bissutti hat mit seinen Inputs und Übungen zum männlichen Rollenverständnis das Interesse zur näheren Auseinandersetzung mit dem Thema geweckt. Es ist wünschenswert, dass dieser Impuls in der Folge zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema sowie zu konkreten Projekten führt. 

Arbeitskreis C Bedarfsorientierte Mindestsicherung
Helmut Kunwald und Marion Kapferer

Im Rahmen der BAWO Fachtagung stellten Herbert Buchinger und Walter Pfeil ihre Sichtweise zur Bedarfsorientierten Mindestsicherung vor. Nach Einarbeitung der Begutachtungen über eine bundesweite bedarfsorientierte Mindestsicherung (15a Vereinbarung), haben sich voraussichtlich nur wenige Veränderungen gegenüber dem Entwurf ergeben. Die Kritikpunkte und Veränderungsvorschläge der verschiedenen Seiten (u.a. der BAWO) wurden weitgehend nicht berücksichtigt. Die wichtigsten Themen, die im Arbeitskreis, den Referaten und der Podiumsdiskussion angerissen wurden, sind hier in der Zusammenfassung zu finden.

Arbeitskreis E - Rundreise durch B37 

Mittels einer geführten Besichtigung von Einrichtungen des Sozialverein B37, wurde ein Einblick in die Struktur und Arbeitsweise des Vereins gegeben. Besichtigt wurden das Psychosoziale Wohnheim (PSWB), das Übergangswohnheim (SCHU), die Notschlafstelle (NOWA), das Wohnheim für entwöhnte Alkoholiker (ALOA) und das Wohnprojekt INSEL (in Selbständigkeit leben).

Fachreferat Recht auf Wohnen

André Gachet In seinem Vortrag zur rechtlichen Situation in Frankreich, wo die FEANTSA gerade eine Sammelklage auf ein Recht auf Wohnen vorbereitet, erzählte André Gachet auch von der geschichtlichen Entwicklung, die zu dieser Gesetzesänderung und dem Grundrecht auf Wohnen führte.

Fachreferat Geschlechterrollen und "Degendering" in Sozialberufen
Erika Pircher

In Ihrem Vortrag zu Gendering und De-gendering in sozialen Berufen zeigte Erika Pircher, dass das Thema Gender in der Arbeit mit KlientInnen eine immer größere Rolle spielt. Doch wie ist es mit der Sozialarbeit, den sozial Arbeitenden selbst? Ist Sozialarbeit ein Frauenberuf und was bedeutet dies für den Arbeits- und Lebensalltag der sozial Arbeitenden? Anregungen zur Auseinandersetzung mit unserem Beruf mit Blick durch die Gender – Brille.

Arbeitskreis 1 - gesund – psychisch krank
Andreas Graf, Thomas Wögrath und Barbara Zuschnig

Diagnosen bestimmen häufig die Geldflüsse und das Therapieziel. Dabei ist es wichtig, dass Therapieziele nach oben offen sind und die Diagnosen hauptsächlich Anhaltspunkte für mögliche Maßnahmen bieten. Im Arbeitskreis gesund/psychisch krank ergaben sich hochinteressante Diskussionen zur Qualität der Zusammenarbeit zwischen medizinischen Diensten und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe. Es wurde beklagt, dass bei der Entlassung aus den Psychiatrischen Krankenhäusern kaum Ressourcen für betreutes Wohnen zur Verfügung stehen. Solche Angebote müssen jedenfalls weiter ausgebaut werden und verursachen auch weit weniger Kosten als der unnötige Aufenthalt von Betroffenen in Spitälern. Zusammenfassung

Arbeitskreis 2 - Frauen/Männer - Genderrolle
Erika Pircher und Romeo Bissuti

In diesem Arbeitskreis wurde versucht, bekannten Klischees und Rollenbildern von Männern und Frauen nachzugehen und ihren Hintergründen auf die Spur zu kommen. Auch in der alltäglichen Arbeit im Team und mit KlientInnen haben die Geschlechterrollen eine große Bedeutung. Sich dieser gesellschaftlich geprägten Bilder bewusst zu sein ist der erste Schritt, um den daraus folgenden Anforderungen in der Sozialarbeit gewachsen zu sein. Eine Zusammenfassung von Gabriele Kienzl.

Arbeitskreis 3 - Recht auf Wohnen
André Gachet

Die Zusammenfassung dieses Arbeitskreises folgt in Kürze ...

Arbeitskreis 4 - Zugang zu Arbeit / Erwerbsarbeit
Erika Bayer und Peter Stanzl

Vor dem Hintergrund der zu erwartenden Veränderungen im Bereich der Sozialhilfe und anderer sozialer Sicherungsmaßnahmen durch die Bedarfsorientierte Mindestsicherung, benötigt es neue und zusätzliche Initiativen und Instrumente zur Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten für so genannte „schwer vermittelbare“ Menschen.
In Linz und in Wien gibt es Maßnahmen zur Arbeitsintegration von SozialhilfebezieherInnen und anderen von sozialer Ausgrenzung betroffenen Personen. Unterschiedliche Angebote, die abgestimmt sind auf die Heterogenität der Zielgruppe, wurden entwickelt. Die Programme unterscheiden sich nicht nur im Angebot, sondern auch von der Zugangsschwelle und von der Dauer. Eine Zusammenfassung von Franz Sedlak.

Arbeitskreis 5 - Betreutes Wohnen / Betreute Übergangswohnungen
Hubert Mittermayr und Anita Netzer

Der Arbeitskreis Betreutes Wohnen sollte den bei der vorjährigen Fachtagung begonnenen Versuch einer Vernetzung der Einrichtungen darstellen, welche „Sozialpädagogisch begleitetes (Einzel) Wohnen“ anbieten. Da der Begriff betreutes Wohnen sehr unterschiedlich verwendet wird, war es Intention der Arbeitskreisleitung, zuerst eine begriffliche und inhaltliche Festlegung zu versuchen, was wollen wir unter „Betreut Wohnen“ verstehen und wo sind die Grenzen. Durch Austeilung eines Fragebogens ließen sich die Antworten anschließend auswerten. 

Arbeitskreis 6 - Burn Out Prävention durch Kinästhetic
Doris vom Hof und Maria Schawill

Der Prozess der Selbsterfahrung im Umgang mit Stress ist ein wesentliches Werkzeug in der Prävention gegen Burn Out. Auftretende Symptome können somit früh erkannt werden. Durch kreative Übungen wurden die ganz persönlichen Empfindungen in überraschenden Situationen oder in Situationen der Ungewissheit und damit verbundene innere Prozesse veranschaulicht. Es war ein heiterer und erfahrungsreicher Nachmittag, der jedenfalls einen ganztägigen Workshop bedürfte, um mehr in die Tiefe gehen zu können.

Arbeitskreis 7 - Rundreise durch B37

Mittels einer geführten Besichtigung von Einrichtungen des Sozialverein B37, wurde ein Einblick in die Struktur und Arbeitsweise des Vereins gegeben. Besichtigt wurden das Psychosoziale Wohnheim (PSWB), das Übergangswohnheim (SCHU), die Notschlafstelle (NOWA), das Wohnheim für entwöhnte Alkoholiker (ALOA) und das Wohnprojekt INSEL (in Selbständigkeit leben).