Frauen Arbeitskreis

Der Wiener Frauenarbeitskreis

Wir sind 18 Sozialarbeiterinnen aus verschiedenen Einrichtungen der Wiener Wohnungslosenhilfe. Seit 2001 beschäftigen wir uns intensiv mit den besonderen Fragestellungen und Bedingungen weiblicher Armut und Wohnungslosigkeit.

Unser Ziel: die Hilfsangebote frauengerecht zu gestalten und an den Bedürfnissen der Frauen zu orientieren. Durch Lobbying, regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit und Publikationen enttabuisieren wir weibliche Wohnungslosigkeit, machen wir sie zum sozialpolitischen und gesellschafts-politischen Thema. Wir fordern die Integration von frauenspezifischen Konzepten in den Gesamtplan der Wohnungslosenhilfe. Hilfe und Dienstleistung müssen den Bedürfnissen und Lebensgeschichten der Frauen angepasst sein. 

Weibliche Wohnungslosigkeit ist unsichtbar

„Wo schläft die Marie?“ haben wir am 2004 anlässlich unserer ersten Lobby-Veranstaltung laut gefragt. Unsere Antwort: Frauen leben verdeckt, in prekären Wohnverhältnissen und Beziehungssystemen, die ihnen schaden. Diese Frauen werden weder statistisch erfasst, noch reicht das Hilfesystem an sie heran. Mangels geeigneter Alternativen verharren sie in Abhängigkeiten: männlicher „Schutz“ im Austausch mit Gewalt und sexueller Verfügbarkeit. Nicht selten sind Kinder mit betroffen. Marie schläft also inadäquat, gefährdet, versteckt und unsichtbar.

Wenn Frauen die gemischtgeschlechtlichen Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe aufsuchen, sind sie einer Dominanz von Männern ausgesetzt. Die Angebote der Wohnungslosenhilfe werden überwiegend von Männern genutzt und dadurch stark an deren Bedürfnissen orientiert. Damit Frauen diese Einrichtungen annehmen können, muss es frauengerechte Räume mit spezifischen Konzepten geben. Räume in denen Parteilichkeit, Schutz und Wahrung ihrer Würde und Anerkennung ihrer Lebensgeschichte gewährleistet werden. 

Veränderungen aufgrund von Gender Mainstreaming

Eine geschlechtsdifferenzierte, frauenorientierte Perspektive besagt: wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen sind eine eigenständige Zielgruppe mit spezifischen Problemlagen und Bedürfnissen, für die individuelle Angebote zu entwickeln sind.

Durch Veränderungen der Wohnungslosenhilfe erreichen wir Frauen in ihren Notlagen, erkennen die unterschiedlichen Bedingungen und Chancen der Geschlechter an und gehen davon aus, dass Frauen und Männer von gesellschaftlichen Prozessen und deren Auswirkungen unterschiedlich betroffen sind.

50% + Gerechtigkeit! Unsere Forderungen:

•    Insgesamt sind 50% der gesamten Ressourcen der Wohnungslosenhilfe (Zugang, Raum, Betreuung, finanzielle Mittel, Infrastruktur...) den Frauen zur Verfügung zu stellen.

•    Bei der Erstellung neuer Konzepte sind frauenspezifische Einrichtungen gemischtgeschlechtlichen vorzuziehen. Nur in diesen Einrichtungen kann die Sicherheit, Autonomie und Entwicklungsmöglichkeit von betroffenen Frauen in ausreichendem Maße gewährleistet werden.

•    Bei der Schaffung eines flächendeckenden, eigenständigen Hilfesystems für Frauen sind die vorhandenen Angebote um eine frauenspezifische Notschlafstelle und weitere Wohnhäuser für Frauen zu erweitern. Um alle betroffene Frauen zu erreichen müssen die Angebote niederschwellig sein.

•    In den bereits bestehenden und in neuen gemischtgeschlechtlichen Einrichtungen sollen die Konzepte und Strukturen so gestaltet sein, dass mindestens die Hälfte des Angebotes von Frauen genützt werden kann und sie somit zur Zielgruppe werden.

Veränderungen der Wohnungslosenhilfe in diesem Sinne erreichen Frauen in ihren Notlagen, erkennen die unterschiedlichen Bedingungen und Chancen der Geschlechter an, und gehen davon aus, dass Frauen und Männer von gesellschaftlichen Prozessen und deren Auswirkungen unterschiedlich betroffen sind.

Kontakt:
Margit Jelenko
Samariterbund
Haus SAMA
Tel. 01/603 12 28-601