Interessensvertretung
Politisches Lobbying ist heute eine der grundlegenden Aufgaben sozialer Dachorganisationen. Nur durch fundierte Kritik an Missständen und Teilhabe an politischen Prozessen lassen sich bestehende Mängel unseres Sozialsystems verbessern.
Die BAWO sieht als Vertreterin aller Organisationen der Wohnungslosenhilfe in Österreich politisches Lobbying als eine ihrer Grundaufgaben und vertritt die Interessen der Wohnungslosenhilfe sowohl auf österreichischer als auch auf europäischer Ebene.
Bedarfsorientierte Mindestsicherung
Im Zuge der Vorbereitungen auf die Einführung der Bedarfsorientierten Mindestsicherung wurde die BAWO vom Sozialministerium um Stellungnahme zum Begutachtungsentwurf gebeten. Diese übergaben wir im Mai 2008 der zuständigen Abteilung. Unsere Stellungnahme deckt sich in wichtigen Punkten mit der Stellungnahme des DOWAS Innsbruck und auch jener der Armutskonferenz.
Auch der Sozialpolitische Arbeitskreis Tirol (SPAK) hat im Juli 2008 eine Presseaussendung mit den Anforderungen an eine Bedarfsorientierte Mindestsicherung ausgeschickt.
Anfang August 2009 gab die BAWO eine Stellungnahme zur BoMS ab und wies diese in der aktuellen Form klar zurück.
In einem offenen Brief Ende September 2009 an die Bundesregierung und die SozialreferentInnen der Länder machte die BAWO auf die armutsverursachenden Konsequenzen der aktuellen Bedarfsorientierten Mindestsicherung aufmerksam. ÖVP und BMASK antworteten inhaltsleer, ohne auf unsere Argumente Bezug zu nehmen.
Im November 2009 antwortete die BAWO auf die Antwortschreiben und Argumente von ÖVP und Bundesministerium mit zwei Briefen in denen konkret auf die Sach- und Faktenlage eingegangen wird.
Initiative zur Beendigung von Obdachlosigkeit
Eine koordinierte Aktion der FEANTSA, des Europäischen Dachverbands der Wohnungslosenhilfe, bei der auch die BAWO für Österreich mitwirkte, brachte beispielsweise einen bahnbrechenden Erfolg:
Ausgehend von der Initiative der FEANTSA wurde in allen europäischen Staaten durch persönliche Briefe an die jeweiligen Abgeordneten sowie durch Presseaussendungen auf eine Erklärung gegen Obdachlosigkeit und ihre Wichtigkeit aufmerksam gemacht. Die Abgeordneten wurden gebeten, diese Erklärung durch ihre Unterschrift zu unterstützen. Die BAWO wiederum rief ihre Mitglieder auf, das selbe zu tun wodurch zahlreiche Briefe an die Europaparlamentsabgeordneten ergingen.
438 EuropaparlamentarierInnen aus allen EU Staaten, VertreterInnen des gesamten politischen Spektrums, haben die Erklärung gegen Obdachlosigkeit unterzeichnet und bewirkten somit, dass die EU sich nun das Ziel setzt, Obdachlosigkeit in ganz Europa bis zum Jahr 2015 abzuschaffen!
Dieser Erfolg wurde von der BAWO und ihren Mitgliedervereinen entscheidend mitgetragen und wird durch den außergewöhnlich Hohen Anteil der Beteiligung unserer österreichischen EuropaparlamentarierInnen sichtbar: 15 von 18 Personen unterzeichneten!
Protest gegen Vergebührung der Mietverträge
Jahrelang schon wird in der politischen Diskussion der Entfall von Bagatellsteuern diskutiert aber letztlich immer wieder aufgeschoben. Offenbar besteht in absehbarer Zukunft also keine Aussicht auf den Wegfall der Vergebührung von Bestandsverträgen zu Wohnzwecken.
Aus diesem Grund wandte sich die BAWO als Vertreterin von Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe in Österreich an die Regierung (Bundeskanzler, Finanzminister sowie alle Finanz- und SoziallandesrätInnen). In einem Brief wiesen wir auf die Mehrfachvergebührung von Mietverträgen hin, einen Sachverhalt, dessen Auswirkungen keineswegs den Intentionen des Gebührengesetzes entsprechen können. Mehrfachvergebührungen müssen zu Lasten ohnehin schon sozial und wirtschaftlich benachteiligter Menschen durchgeführt werden und gefährden diese noch weiter in ihrer Armutssituation. Als Antwort bekam die BAWO einen Brief aus dem Finanzministerium mit dem Hinweis auf die Gesetzeslage. Tja, genau diese kennen wir auch. Deshalb gaben wir ja auch den Hinweis, diese zu ändern. Wo ein Wille auch ein Weg.
Schreiben BAWO
Antwortschreiben des Finanzministers

